Über die Hälfte der Jobsuchenden abgeschreckt vom Anschreiben

Köln, 22. November 2017

Umfrage unter Fachkräften mit Berufsausbildung zeigt: Unternehmen brauchen bewerberfreundlichere Recruiting-Prozesse

Die klassische Bewerbung mit Anschreiben, Lebenslauf und Zeugniskopien wird im Zeitalter der Digitalisierung zum Auslaufmodell. Eine aktuelle Befragung von meinestadt.de zeigt, was Bewerber über das Anschreiben denken: Über die Hälfte der 1.034 befragten Fachkräfte mit Berufsausbildung empfindet das Anschreiben als eine große Hürde. Insbesondere Unternehmen, die um besonders gefragte Fachkräfte werben, sollten solche Hürden senken, um mehr relevante Bewerbungen zu erhalten.

Mit 55 Prozent nimmt eine eindeutige Mehrheit der befragten Fachkräfte das Anschreiben als „eine große Hürde bei Bewerbungen“ wahr. Der am häufigsten genannte Grund dafür ist, dass die Jobsuchenden nach eigenen Angaben nicht wissen, was sie schreiben sollen. Rund jeder Fünfte gibt an, das Anschreiben koste zu viel Zeit. 15 Prozent geben mangelnde Routine beim Verfassen von Texten als Hürde an. Viele Fachkräfte mit Berufsausbildung sind es nicht gewohnt, längere Texte zu schreiben.

Aussagekraft von Anschreiben fragwürdig

Diejenigen, die das Anschreiben nicht als Hürde empfinden, geben dafür folgende Gründe an: Jeder Vierte greift auf eine Vorlage zurück, die nur minimal für die jeweilige Bewerbung angepasst wird. Weitere 6 Prozent berufen sich auf die gute Verfügbarkeit von Vorlagen im Internet und 1 Prozent gibt sogar zu, dass ein Anschreiben kein Problem sei, weil sie es von jemand anderem erstellen lassen. „Es stellt sich in diesem Zusammenhang die Frage, welche Aussagekraft Anschreiben letztlich überhaupt für die Bewerberauswahl haben“, sagt Georg Konjovic, Geschäftsführer von meinestadt.de.

Wie eine Schulprüfung oder ein Besuch beim Zahnarzt

Womit vergleichen Fachkräfte das Verfassen eines Anschreibens? Sie verbinden es am häufigsten mit einer „Schulprüfung“. Auf Platz zwei landet die Assoziation „Zeitverschwendung“. Auffällig viele Teilnehmer vergleichen das Erstellen eines Anschreibens sogar mit einem „Besuch beim Zahnarzt“. Innerhalb der verschiedenen Branchen gibt es leichte Unterschiede, was die Akzeptanz des Anschreibens betrifft. Am unbeliebtesten ist es mit über 60 Prozent bei Fachkräften im Gastgewerbe und Tourismus, gefolgt von jeweils über 57 Prozent im Handwerk, in der Produktion, im Rechts- und Personalwesen. Bei Unternehmen aus diesen Branchen besteht besonders großer Handlungsbedarf, was die Optimierung von Prozessen angeht, damit potenzielle Mitarbeiter nicht schon im Vorfeld abspringen.

Mobile Recruiting und klassisches Anschreiben

Doch nicht nur der Zeitfaktor und der Inhalt, sondern auch der technologische Wandel spielt eine wichtige Rolle, wenn es darum geht, die Effizienz des Anschreibens als notwendigen Bewerbungsbaustein grundlegend zu überdenken. Denn die mobile Jobsuche ist längst keine Zukunftsmusik mehr, sondern für die meisten Recruiter und Jobsuchenden längst Alltag. Der Grund ist einleuchtend: Alle haben Smartphones, alle nutzen sie. Das gilt auch für die Suche nach einem neuen Arbeitsplatz, wie die Mobile Recruiting Studie 2017 von meinestadt.de belegt. Rund 91 Prozent der Befragten geben an, in Online-Börsen nach Jobs zu suchen, 76 Prozent nutzen dabei das Smartphone als Hauptendgerät. Laut eigenen Angaben hat knapp die Hälfte der Befragten schon mal eine Bewerbung abgebrochen, weil diese mit dem Smartphone zu umständlich bzw. nicht möglich war. Auch hier spielt das Anschreiben eine große Rolle, da die kleinen Bildschirme und Tastaturen das fehlerfreie Verfassen längerer Texte erschweren.

Akademiker vs. Nicht-Akademiker: Anforderungen an den Prozess

Darüber hinaus berücksichtigen Unternehmen immer noch nicht genug die notwendigen Unterschiede in den Bewerbungsprozessen zwischen akademischen und nicht-akademischen Positionen. Für viele nicht-akademische Stellen reichen im ersten Schritt bestimmte Informationen, um zu sehen, ob es für den Kandidaten einen Schritt weitergeht. Für Berufskraftfahrer ist beispielsweise entscheidend, ob sie einen Führerschein der entsprechenden Klasse besitzen, wie viel Arbeitserfahrung sie haben und in welchem Einsatzgebiet sie arbeiten möchten. Ebenfalls sollten Personaler in Betracht ziehen, dass Akademiker wahrscheinlich grundsätzlich eine höhere Affinität zum Schreiben haben und dass das Smartphone in vielen Haushalten Computer, Textverarbeitungsprogramme und Drucker ersetzt hat.

Verzicht auf das Anschreiben in der Praxis

Praxisbeispiele belegen, dass Kurzbewerbungen eine Lösung sein können, um mehr passende Bewerbungen zu erhalten. Große Unternehmen wie Telefonica, eismann oder Henkel haben neue, zeitgemäße Strategien erfolgreich eingeführt. Bei der Daimlertochter Daimler TTS sind die sogenannten One-Click-Bewerbungen, beziehungsweise die 15 Sekunden Bewerbung, ausdrücklich erwünscht. Neue, verkürzte Bewerbungsformen bieten also ein enormes Potenzial für Unternehmen.

Bewerber-Zitate aus der Umfrage:

„Anschreiben zu verfassen ist für mich wie…”

„… die Katze im Sack verkaufen.“
„… wie eine Schulprüfung.“
„… wie Brennnesseln sammeln.“
„… wie ein Besuch beim Zahnarzt.“
„… Sauerbraten machen – würde gerne, kann’s aber nicht.“
„… ein Bericht per Luftballon. Man weiß nicht, ob es jemand lesen oder beantworten wird.“
„… ein Kaugummi, das sich ewig in die Länge zieht.“
„… die Steuererklärung.“
„… unnütze Zeitverschwendung, weil ich mein Potenzial nicht schriftlich rüberbringen kann.“

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