Moderne Formen der Mitarbeitermotivation

Jochen Mai hat den HR-Blog karrierebibel.de gegründet und leitete mehr als zehn Jahre das Ressort “Management + Erfog” bei der WirschaftsWoche. Wir haben mit dem Karriere-Experten über Boni, Beförderungen und eine offene Arbeitskultur gesprochen.

 

Warum ist Mitarbeitermotivation wichtig und warum wird das Thema in Zukunft immer wichtiger?

Jochen Mai: Am Anfang steht eine Grundsatzentscheidung: Sind Mitarbeiter intrinsisch motiviert oder muss man sie extrinsisch motivieren. Ich glaube, dass es nicht sinnvoll ist, Mitarbeiter, die nicht intrinsisch motiviert sind, fortwährend extrinsisch zu motivieren.

Von daher ist es viel wichtiger, Mitarbeiter auf der Position zu entwickeln, wo sie selber am motiviertesten sind und ihnen die Freiräume zu geben, die sie brauchen, damit sie sich voll mit ihren Talenten, Stärken und Fähigkeiten einbringen können.

 

Welche Ansätze gibt es für die Mitarbeitermotivation und welche eignen sich besonders?

Jochen Mai: Die meisten Ansätze zielen auf die extrinsische Motivation ab – zum Beispiel Boni, Mitarbeiter des Monats, Beförderungen in Aussicht stellen, oder andere Extras. Allerdings ist es häufig so, dass extrinsische Motivationsfaktoren dazu neigen, irgendwann intrinsische Motivation zu vernichten, das heißt, man nimmt sie irgendwann als selbstverständlich hin.

Somit müssten die Boni immer mehr wachsen, damit sie überhaupt noch eine Wirkung zeigen. Jetzt wissen wir aus der Psychologie, dass sobald man diese Boni den Mitarbeitern wegnimmt, dies ungleich demotivierender, als er vorher motivierend gewirkt hat.

 

Dennoch ist es wichtig, dass man Leistungen anerkennt. Für gute Leistung sollte man ein faires Gehalt zahlen. Falls das finanziell nicht möglich ist, muss man dies durch andere Formen ausgleichen. Insgesamt sollte man tunlichst aufpassen, dass man nicht intrinsische Motivation durch extrinsische ersetzt, indem man enorm reizvolle extrinsische Motivatoren schafft, die dann irgendwann zur Gewohnheit werden. Somit kann man sich seine Mitarbeiter „versauen“ auf gut Deutsch gesagt.

 

Können Sie uns ein paar moderne Ansätze für die Mitarbeitermotivation verraten, die Ihnen gut gefallen?

Jochen Mai: Ja, ich glaube modern ist in diesem Zusammenhang, dass man heute auf die Arbeitsatmosphäre, das so genannte Drumherum, viel stärker achtet.

Was aber viel wichtiger ist, sind moderne Arbeitsformen, wie zum Beispiel die Freiheit ins Homeoffice zu gehen. Auch Büroräume zu schaffen, die sehr modern sind, ist sehr wichtig. Diese großen fantasievollen Büros, die nicht mehr an ein Büro erinnern, sondern an ein Wohnzimmer: Mit eingebautem Café, Küche oder Restaurant und Lounge-Ecken, in die man sich zurückziehen kann.

Dadurch sind Mitarbeiter auch nicht an ihre Arbeitsplätze gebunden. Es gibt Konferenzinseln, an denen man mit dem Team reden, diskutieren und planen kann.

 

Diese Formen motivieren heute Mitarbeiter extrem. Natürlich könnte man das auch negativ sehen: Im Grunde genommen sind es goldenen Käfige, weil sich die Mitarbeiter de facto in so einem Umfeld eher selbst ausbeuten. Viele der Mitarbeiter sind dann nicht nur 8 Stunden im Büro, sondern eher 10 oder 12 Stunden, aber bemerken das selbst nicht und empfinden es auch nicht so.

 

Daran merkt man natürlich auch, dass es durchaus aus Arbeitgebersicht ein schlauer Schachzug ist, solche Büros zu bauen, weil die Mitarbeiter viel lieber und viel länger in ihren Büros arbeiten.

 

Also sind Sonderleistungen der Schlüssel zum Erfolg?

Jochen Mai: Nein! Es reicht nicht aus, eine super Büroatmosphäre zu schaffen mit all den Freiheiten, um dann zu hoffen, dass Arbeitnehmer dadurch alleine motiviert werden. Die Arbeit muss natürlich auch spannend sein und Spaß machen. Das Geld spielt natürlich eine wichtige Rolle. Dennoch ist es meiner Meinung nach auch kein echter Motivator, sondern eher ein Demotivator, wenn es zu wenig ist.

 

Deshalb muss die Motivation wirklich aus der Arbeit kommen. Allerdings ist es häufig der Fall, dass  Leute Jobs machen, auf die sie keine Lust haben. Das kann man natürlich auch als Chef schlecht, beziehungsweise nur bedingt ändern.

 

Hier kommt  der Personalabteilung eine hohe Verantwortung zu, dass sie Mitarbeiter entwickelt, befragt und auch ein offenes Klima schafft. Damit man auch ehrlich darüber sprechen kann, dass einem der jetzige Job keinen Spaß macht, ohne dass das Nachteile für den Arbeitnehmer hat. Hier sollten Personaler zusammen mit dem Mitarbeiter überlegen, worauf der Mitarbeiter „mehr Lust“ hätte und welche anderen passenden Stellen es im Unternehmen für ihn gibt.

 

Es ist also ein Zusammenspiel von verschiedenen Faktoren. Haben Sie ein paar Tipps, die Personaler unabhängig von ihrer Branche oder Größe des Unternehmens einfach umsetzen können?

Jochen Mai: Klar! Ich glaube, dass man den Mitarbeitern bezüglich Zeiteinteilung und Arbeitsort die größtmöglichen Freiheiten geben sollte, das motiviert enorm. Denn mit einem 9-to-5 Job Termine zu kombinieren, ist manchmal sehr schwer, das wissen wir alle.

 

Freiheiten und eine echte Vertrauenskultur zu schaffen ist sehr wichtig für ein gesundes Arbeitsklima. Wenn man diese Freiheiten einräumt und somit zeigt, dass man seinen Mitarbeitern vertraut, dann sind sie motiviert, ihren Job zu machen und auch umgekehrt ihren Anteil zum Erfolg beizutragen.

 

Der zweite Tipp ist Erfolge zu feiern und transparent zu kommunizieren. Damit meine ich, klar zu kommunizieren, was im Unternehmen passiert oder welche neuen Entwicklungen es gerade gibt, beispielsweise in einem regelmäßigen Jour-fixe, in dem Mitarbeiter informiert werden. Wichtig ist es auch Feedbackmöglichkeiten zu schaffen. Damit meine ich auch aktiv Einzelgespräche zu führen.

 

Der dritte Tipp ist aufwändiger in der Umsetzung, aber sehr wichtig: Unternehmen sollten intensiv mit den Mitarbeitern sprechen und versuchen sie zu entwickeln. Ein erster Schritt ist es, sich gemeinsam zu überlegen, in welche Richtung der Mitarbeiter sich entwickeln möchte.

 

Auch das Testen von Talenten und Neigungen gehört zur Entwicklung, um anhand der Ergebnisse eine gezielte Stärkung vorzunehmen. Es ist quasi eine Win-Win-Situation: Das Unternehmen entwickelt die Mitarbeiter, die dadurch mehr aus sich herausholen, was wiederum dem Unternehmen dient.

 

Dies ist ein Auszug aus unserem “NEXT TALENT” 2015

2017-06-14T14:20:27+00:00